Dies ist der (mein) erster Versuch eines Interviews über eine LiveBlogging Platform zu führen. Dieser Beitrag/Event wird so lange offen gehalten, bis euch und mir die Fragen ausgehen. Zwischenzeitlich werden wir natürlich den Rechner verlassen und somit kann es sein, dass das Interview einige Tage dauert. Schaut einfach bei der Entstehung zu :). Kurz Mitmachen - Fragen stellen und nicht wundern, wenn für einige Stunden keine neuen Beiträge kommen.
prima, bin nun auch eingetragen ... und muss auch gleich richtigstellen dass es "frogpond" mit kleinbuchstaben ist, bin zwar ein Wiki-Evangelist schreibe aber dennoch nicht alles mit CamelCase ;)
Also wenn Martin jetzt eingetragen ist kann es ja losgehen. Hallo Martin!, spannend, dass wir gleich in Deinem ersten Posting auf das Thema Wiki kommen. Damals, als wir uns in Stuttgart kennengelernt haben hattest Du in Deiner Vorstellung auch im ersten Satz Wiki eingearbeitet. Daher auch mal kurz in WikiSprache die erste Frage: Welche Kategorien würde in einem Wiki vorkommen, das die Arbeit eines Enterprise Collaboration Consultant beschreibt?
Lass mich eine erste Antwort versuchen, aber ich würde dabei nicht so sehr mit Kategorien arbeiten wollen sondern mehr mit Ebenen und Arenen, ja?|
Oh Ebenen und Arenen ... wenn Du kurz erklärst, was der Vorteil an deren Verwendung ist? Mehr Dimensionen? Ageschlossener?
Ebenen um die Aktivitäten eines Enterprise Collaboration Consultants zu umreißen, Arenen um die Objekte zu formulieren.
Die Ebenen, die ich in meiner Beratungstätigkeit anlege sind Paradigmen, Prinzipien, Methoden und Werkzeuge. Sprich ich setze Werkzeuge ein (wie bspw. Wikis), die bestimmte Methoden ermöglichen und unterstützen, das alles auf Basis von Prinzipien, die wiederum auf gewissen Paradigmen aufbauen.
Lass es mich versuchen konkret machen: Für mich ist "Komplexitätsmanagement" ein sehr leistungsfähiges Paradigma für die Organisation von Unternehmen, das zu Prinzipien wie Emergenz, Konnektivität und Adaptivität leitet. Diese leiten dann wiederum zu "Organisationsmethoden" wie schneller, offener und partizipativer Zusammenarbeit - die dann wieder von bestimmten Werkzeugen wie bspw. Wikis profitiert bzw. einfach gut dazu passt ...
OK, als Zwischengedanke und auch um deine Frage nach dem Nutzen von der Differenzierung in Ebenen und Arenen zu beantworten:
Ein einheitliches Modell um die Aktivtäten zu leiten ist wichtig, sonst müsste man ja flexibel hin- und herspringen und adaptiv sein.
Nein, im Ernst - Modelle und Theorien leiten uns doch alle, ob bewusst oder unbewusst. Und wenn man ohnehin modell- und theoriegetrieben ist, dann ist es besser mit einem leistungsfähigen Modell anzufangen, sprich es muss genügend Freiheitsgrade (du sagst Dimensionen, auch prima) und - wie sage ich das am besten, Spielraum passt nicht 100% - nunja, Einsatzmöglichkeiten und Übertragungsmöglichkeiten haben.
Ein Modell das nur in einer bestimmten Branche oder betrieblichen Funktion wirklich passen würde wäre sogesehen ein schlechtes Modell.
Zusammenfassend: gut ist ein generisches Modell das nicht nur den (IT-)Werkzeugkasten des Beraters füllt, sondern auch dahinterstehende und tiefergehende Überlegungen fasst und abdeckt.
Lese ich richtig zwischen den Zeilen, dass der Enterprise Collaboration Consultant über die Ebenen/Modellen erkennt welche Arenen gebaut werden müssen? Wenn ja, dann muss ich gestehen, dass ich meist den Fehler mache genau umgekehrt zu denken. Man nehme ein Tool und schaue nach, was man damit anstellen kann. Schönes Beispiel hierfür Twitter. Am Anfang wusste es keiner - heute gibt es ein Volk von Evangelisten. Derc Ansatz über die Modelle/Ebenen zu betrachten ist somit ein Schlüssel, um auch Personenkreis zu erreichen, die nicht jedes neue Zubehör in ihren "Manta" einbauen (oder in anderen Worten alles testen, nur weil es da ist)?
OK, nun zum zweiten Teil, den Arenen: das fällt einfacher und - in Anbetracht der Uhrzeit - mache ich es auch kürzer. Ich habe eine Reihe von betrieblichen Einsatzzwecken die mir näher stehen als andere, sprich Innovationsmanagement, Wissensmanagement mit all seinen Facetten und organisationales Change Management sind einfach die Themen die mich über viele Jahre beschäftigt haben. Insofern sind das Zwecke und Aufgaben die ich viel lieber und besser mit - nennen wir es der Einfachheit halber Social Software - unterstützen kann als bspw. Rechnungswesen o.ä.
Eine zweite Sorte von Arenen spanne ich über die Größe der Klientenorganisation auf, d.h. geht es um die Beratung und Unterstützung eines KMU oder um die Mitarbeit in einem Projekt eines Großunternehmens. Enterprise 2.0 als weiter Begriff kann in beiden "Settings" gut funktionieren, gehorcht aber jeweils ganz unterschiedlichen Bedingungen.
Du siehst, zu den Ebenen kommen auch noch eine ganze Reihe von "Enterprise 2.0" / Collaboration-Arenen dazu, alles zusammen ist vielleicht ein Einblick in das was ein Collaboration Consultant macht ;)
OK, Thorsten, der Ansatz spielerisch mit Werkzeugen anzufangen und dann zu schauen was man damit machen kann ist auch nicht schlecht, aber vielleicht nicht immer zielführend und effektiv. Mache ich aber auch gerne, wir beide sind ja auch Early Adopters die manches auch einfach probieren wollen. Eine Begründung für was es dann taugt kann man sich immer noch später einfallen lassen ... eine ernsthaftere Antwort kommt aber noch, morgen, versprochen!
Innovationsmanagement und Early Adopter - für mich zwei Begriffe die sehr viel miteinander zu tun haben. Social Software als Bindeglied um Innovation unter die Early Birds zu streuen (vgl.
"Medici Effekt aus Sozialen Netzen").
Schaut man das Video an, so kommt einem schnell der Gedanke: Man muss etwas nur lange genug tun, um einen Erfolg nachweisen zu können.
Übernimmt ein Collaboration Consultant die Aufgabe neue Modelle und Strukturen zu erkennen und auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen? Anders formuliert: Ist der des Collaboration Consultants der Trendscout im Enterprise 2.0? Oder eben genau das nicht - sonder derjenige der Rauschunterdrückung vornimmt und viele Trendscouts in der Hinterhand hat?
Um es auf das Video zu übertragen: Der Initiator ist der Erste, der den Stein ins rollen bringt. Dieser wird vom Trendscout entdeckt. An welcher stelle wird der Collaboration Consultant auf die Situation aufmerksam und kann sie in das Modell von Enterprise 1.0 zu Enterprise 2.0 einarbeitenc?
OK, Thorsten - es kann weitergehen, entschuldige die Auszeit (Twitter ist das was auch von der #reboot11 geht, Blogposts folgen).
Hmm, ich weiß nicht ob man nur etwas lange genug tun muss um am Ende Erfolg zu haben - wir kennen ja auch die Definition von Wahnsinn: immer das Gleiche tun und ständig neue Ergebnisse zu erwarten ;)
Zu deinem ersten Punkt mit der Frage nach den Aufgaben von Enterprise 2.0 Consultants - "neue Modelle und Strukturen erkennen und auf Anwendbarkeit prüfen" - ich nenne das mal Ideen- und Mustersystematisierung. Ja, das ist eine Aufgabe die ich auch so sehe (und es ist ein Grund dafür dass ich neben "normalen" Konferenzen auch auf Un-Konferenzen wie BarCamps oder gerade ganz konkret die reboot gehe, hier bekomme ich Anregungen und Ideen die u.U. später und nach Systematisierung und Einordnung auch für ganz konkrete Aktivitäten in Unternehmen einsetzbar und anwendbar sind).
Dass manches von dem was ich hier mit meiner Peer Group diskutiere nicht in normalen Beratungsprojekten eingesetzt werden kann ist natürlich auch wahr - insofern sind Berater immer auch Rauschfilter. Bspw. habe ich mich erst vorhin mit JP Rangaswamy, Stowe Boyd, Euan Semple und Lee Bryant unterhalten, allesamt Visionäre und Vordenker aber nicht alle ihre (und meiner, ja) Ideen, Vorstellungen und Wünsche sind für Unternehmen 1.0 praktikabel. Nun ja, Unternehmen weisen in der Regel ausgeprägte Widerstands- und Beharrungskräfte auf und wie man damit umgeht ist ein wiederkehrendes Thema, das wir auch hier diskutieren könnten ...
Ob mich das alles aber zum Trendscout macht? Ich hoffe nicht, für mich ist das Wort Trend eher mit Hype assoziiert, und genau das sehe ich nicht hinter den Entwicklungen rund um das Enterprise 2.0. Hier sind IMHO viel wichtigere und tiefgehendere Trends (da ist es wieder das Unwort, vielleicht sage ich besser Kräfte) am Werk, insofern würde ich die Aufgabe eher so interpretieren: Unternehmen dabei helfen in den verschiedenen Situationen in denen sie sich befinden, d.h. kontextgerecht, die richtigen Überlegungen anzustellen, passende Aktivitäten zu evaluieren, und diese dann auch vernünftig anzugehen. Sogesehen schaue ich weniger nach dem "richtigen Moment" für die Einführung von Enterprise 2.0, sondern versuche für verschiedene Situationen und Kontexte Antworten vorzudenken und dadurch dabei zu helfen diese so wichtige Entwicklung Enterprise 2.0 "auf die Straße zu bringen".
Zuletzt: Dass mit Social Software vernetzte und unterstützte Early-Adopters eine tolle Sache für die Umsetzung und Implementierung von (Organisations-)innovationen sein können steht außer Frage (und wir kennen und schätzen das IBM Blogger Team ;). Klar, nicht alle Organisationen wie auch nicht alle Mitarbeiter sind für Enterprise 2.0 als Konzept bereit, es ist dann überaus hilfreich gelungene Beispiele und Vorbilder zu verbreiten, die Protagonisten zustärken und so letztlich vom Enterprise 1.0 zum 2.0 zu kommen ...
Sehr schöne Definition von Wahnsinn: "Immer das Gleiche tun und ständig neue Ergebnisse zu erwarten". Das trifft bei mir sehr gut die Korrelation von E2.0 und Dilbert.
Beim Thema Trend und Hype bin zumindest ich etwas anderer Meinung, denn jeder Hype erhöht den Bodensatz. Erhöht die Anzahl der Tools, Werkzeuge und Modelle - dauerhaft. Zwar verschwinden im Laufe des Hype Cycles auch eine Großteil dieser Praktiken wieder, die von ihren Erfindern oder Machern einer reinen Meetoo Strategie umgesetzt wurden - dennoch bleiben einige auch übrig. Als Beispiel sei hier Lycos,Google,Altavista genannt - noch 2000 in jeder Munde - sind 2 davon heute kaum noch bekannt. Dennoch ist die Idee einer Internetsuche geblieben, mit einem Platzhirsch. Der Hype der damals um die Websuchen bestand hat somit zumindest zu einem +1 von Möglichkeiten geführt, die Unternehmen haben um auf ihre Produkte Aufmerksamkeit zu gewinnen (Stichwort: SEO).
Du hast das Thema Widerstand und Beharrungskraft - und Methoden dagegen angesprochen. Dazu kurz eine Anekdote: Im Jahre 1998-1999 sollte ich eine Unternehmenssuche aufbauen. Damals war ein Irrglaube, dass es nie gelingen wird Probleme mit nur 1-2 Begriffen zu beschreiben. Vielmehr wollte man Inhaltsverzeichnisse bauen für Intranets und Abteilungen. Yahoo und DMOZ hatten es damals vorgemacht - doch im gleichen Maße, wie die Menge der Seiten und Inhalte gestiegen ist - hatten diese "Inhaltsverzeichnisse" auch ihr Skalierungspotential ausgeschöpft. Inhaltsverzeichnisse waren aber allen aus Büchern, Bibliotheken, Fernsehzeitschriften und Katalogen bekannt - und wurden daher von den Anwendern bevorzugt als wichtig erachtet.
Beharrungskräfte und Beratungsresistenzen lassen sich nach meiner Meinung nur durch 2 Dinge adressieren: Erfolgsbeispiele und Wiederholung. So hat damals durch ein "Überangebot an Erfolgen" die Volltextsuche die Inhaltsverzeichnisse irgendwann abgelöst.
Übersehe ich hier Methoden?
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